Eclipsed
Postrock/Alternative ProgTHE LOW FREQUENCY IN STEREO
»Futuro«
(Rune Grammofon/Cargo)
9/10
Artverwandt: Stereolab; 120 Days
The Low Frequency In Stereo hatten schon immer ein Händchen für progressive Strukturen, die Nostalgie und Futurismus auf hohem Niveau zu einer homogenen Einheit führen. Hätte Jules Verne einen Soundtrack für seine mechanistische Science-Fiction gesucht, die Norweger hätten sicher ganz oben auf seiner Liste gestanden. Mit ihrem neuen Album „Futuro“ legt die personell umgestellte Band nun ihr bislang komplettestes Album vor. Ob das allein daran liegt, dass sie bei der norwegischen Prog-Schmiede Rune Grammofon angedockt haben, ist reine Spekulation. Verglichen mit den dronigen Landschaften auf „Futuro“ wirken die vorherigen Alben der Band jedoch wie kleinlich gehegte Vorgärten. Nie zuvor fanden sie so direkte Wege, ihre weit reichenden Fantasien in zeitlosen Klang zu übersetzen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob sie sich in so ausladenden Epen wie „Mt. Pinatubo“ oder „Solar System“ auslassen oder in harmlosen, aber ergreifenden Popsongs wie „Starstruck“. Im Gegenteil, gerade diese harmonische Dualität von Unendlichkeit und Alltag ist geeignet, den Hörer nicht zu überfordern. Die Platte klingt zu keinem Zeitpunkt angestrengt oder ambitioniert, alles macht den Eindruck, als könnte es nur so und nicht anders umgesetzt werden. Die Songs sind unglaublich abwechslungsreich. Mal schreddern tonnenschwere Gitarren über karstiges Felsgestein, dann wieder ziehen weibliche Gesänge wie ätherische Wölkchen übers Firmament, begeben sich Keyboard-Drones auf eine orbitale Umlaufbahn oder jammen alle zusammen drauflos wie ein Stamm wild gewordener Wikinger. Stärker als zuvor lehnen sich Low Frequency dabei an die britischen Stereolab an, auf die jene perfekte Mischung von Lounge Pop und Avantgarde zurückgeht. Mit Gästen wie dem Geiger Nils Ökland und Ultralyd-Saxofonist Kjetil Möster sucht das Quintett obendrein nach Klängen, die es stärker ins experimentelle Umfeld von Rune Grammofon einbinden.
WK
Stimmen zur Platte:
„Wer des Winterspecks überdrüssig ist, sollte sich, bevor er zu wissenschaftlichen Trainingsprogrammen greift, das neue Album ‚Futuro‘ der norwegischen Groove-Postrocker zulegen. Es ist dieser Rhythmus, der von jedem und jeder Besitz ergreift und nicht mehr verschwinden will. Der ‚Mt. Pinatubo‘ wird mit Leichtigkeit erklommen, das ‚Solar System‘ so richtig durchgeschüttelt, und ‚Sparkle Drive‘ überzeugt mit schönen Melodielinien. Einzig die (gewollte?) Pop-Nummer ‚Starstruck‘ trällert gleichgültig vorbei. Der Trip geht jedoch weiter, ein paar Gramm sind schon weg. Start der Groove-Attacke: 3. April.“
MW
Vorschläge für Aufkleber-Zitate
„Hätte Jules Verne einen Soundtrack für seine mechanistische Science-Fiction gesucht, die Norweger hätten sicher ganz oben auf seiner Liste gestanden.“
„Mit ihrem neuen Album „Futuro“ legt die (…) Band ihr bislang komplettestes Album vor.“
